Interoperabilität – das Richtige richtig tun

Vor einigen Monaten und sogar innerhalb weniger Wochen durfte ich an drei Veranstaltungen mit dem Fokus auf „eCommerce“ teilnehmen: Die OpenPEPPOL General Assembly, der Miami eInvoicing Exchange Summit und die General Assembly of EESPA (Europäische E – Invoicing Service Providers Association). Das übergeordnete Thema der diesjährigen Veranstaltungen war die „ globale Interoperabilität“. Konkret bedeutet das: Unternehmen, Regierungen, Behörden sowie Dienstleister arbeiten zusammen, um elektronische Geschäfte für alle zu vereinfachen.

Vorweg kann ich zusammenfassen: Interoperabilität im elektronisch unterstützten Handel ist „Das RICHTIGE“. Davon bin ich persönlich bereits seit Jahren überzeugt. Interoperabilität reduziert Hürden zwischen Käufern und Verkäufern und kann Unstimmigkeiten aus dem Handel entfernen. Sie verbessert den Return of Investment (ROI) für alle Beteiligten, da elektronische Werkzeuge z. T. vereinheitlicht werden können. So können mehrere Handelspartner an ein Unternehmen angebunden werden, ohne dass dabei der Einsatz von unterschiedlichsten Verbindungen und Software benötigt wird.

Ich freue mich, dass die Arbeit in diesem Bereich in den letzten Jahren begonnen hat die ersten Erfolge zu zeigen.  Viele Unternehmen sind bereits dabei, PEPPOL (auch XRechnung genannt) für den Handel innerhalb der EU auszurollen. In Singapur, Australien und Neuseeland startet PEPPOL bereits im Laufe der zweiten Jahreshälfte 2019. Viele Ländern in Asien wie z.B. Indien werden voraussichtlich auch noch folgen.

Dabei gibt es verschiedene Herausforderungen, besonders in Projekten, in denen die Einführung dieser neuen Technologie aufgrund rechtlicher, politischer oder steuerlicher Interessen und Vorgaben komplexer ist. Allerdings sind Fortschritte im Hinblick auf die Interoperabilität auch hier erkennbar. Eine Zukunft, in der es einfacher, günstiger und standardisierter ist, als Käufer und Verkäufer in einem globalen Markt zusammenzuarbeiten, scheint in greifbare Nähe zu rücken.


Apropos das Richtige
Neulich wurde ich von einem Kollegen gefragt, ob wir für unsere IBM B2B-Abrechnungen das Format ZUGFeRD1 unterstützen könnten – ein veralteter, für Deutschland spezifischer und nicht-interoperabler Standard.

ZUGFeRD fand seinen Ursprung im FeRD (Forum elektronische Rechnung Deutschland). Es ist ein Wortspiel, welches auf das „Zugpferd“ hindeutet. Damit wird impliziert, dass dieses Format das Zugpferd hinsichtlich der elektronischen Rechnungsstellung für die Industrie darstellen soll.

Die Wahrheit für mich ist, ZUGFeRD 1 ist ein totes Pferd. Es wurde bereits von ZUGFeRD 2 abgelöst, was wiederum durch XRechnung gerade ersetzt wird.

ZUGFeRD 1 ist ein Hybrid-Dokument, was aus einem PDF besteht, innerhalb dessen ein XML-Paket hinzugefügt wird. So ist das PDF für Personen lesbar, während das XML-Paket maschinell ausgelesen werden muss. Das Problem: Eine spezielle Software wird benötigt, die das Hybrid-Dokument sowohl erstellen, als auch auslesen kann.

Die Mehrzahl der Marktteilnehmer müssten diese Software anschaffen, um die komplexen Dokumente, die nur in begrenzten Teilen von Deutschland, Frankreich und der Schweiz verwendet werden, erstellen und auslösen zu können. Dieser Datenaustausch wird heute zumeist ohnehin durch das E-Mail-System erfolgen. Automation und Interoperabilität spielen bei ZUGFeRD 1 keine Rolle.

Nachdem ZUGFeRD 1 bereits durch zwei weitere Generationen abgelöst wurde und die meisten direkt XRechnung nutzen werden, macht es kaum Sinn, ZUGFeRD 1 bei Firmen weiterhin einzuführen.

Darüber hinaus müssen die Marktteilnehmer ohnehin auf XRechnung umsteigen, um beispielsweise mit der deutschen Regierung Dokumente austauschen zu können. PEPPOL ist das Pendant für öffentlichen Auftraggeber im Ausland.

Damit stellt sich doch die Frage: Warum sollte man Lieferanten in aller Welt zwingen, etwas zu tun, was in Deutschland bald keiner mehr machen wird? ZUGFeRD1 ist ein Format, das keine Interoperabilität zulässt, das nicht zukunftsorientiert ist und – ganz wichtig – das nicht mit der EU-Direktive für elektronische Rechnungstellung konform ist.

Die Befürchtung bleibt trotzdem, dass viele Unternehmen sich nicht wehren können, da das Risiko, einen wertvollen Kunden oder Business Partner zu verlieren, zu groß ist. Damit ist zu befürchten, dass eine weitere (überholte) Technologie Einzug in die Unternehmen finden wird.

Warum passiert das?

Historisch gesehen, stellen EDI und eInvoicing  geeignete Mittel für große Unternehmen dar, um ihre Handelskosten zu reduzieren und für ihre Aktionäre „das Richtige zu tun.“  In vielen Fällen jedoch ging dies gegen das Interesse ihrer Handelspartner, da sie nun gezwungen waren, in diversesten Weisen elektronische Geschäfte zu unterstützen – oder sie riskierten, Kunden und Umsatz zu verlieren. In Anbetracht der Inhalte der Branchenveranstaltungen und der weltweiten Bewegung in Richting Interoperabilität hatte ich gedacht, dass wir dies hinter uns gelassen hätten.

Dennoch, auch diese Unternehmen werden bald XRechnung / PEPPOL brauchen, um ihren externen Handel fortzuführen. Dies gilt auch vice versa  für die Lieferanten, die mit Deutschland, der EU und anderen PEPPOL-Nutzern Handel betreiben wollen.

Wählen Sie den Weg der Interoperabilität
Wenn die Interoperabilität als Entscheidungskriterium verwendet wird, fällt dies für den Handel enorm positiv aus. Ich glaube, es gibt eine richtige und eine falsche Art und Weise elektronisch unterstützten Handel zu betreiben. Wenn sowohl Käufer und Verkäufer nicht von Synergien und Interoperabilität profitieren können, ist es für mich der falsche Weg. PEPPOL macht es möglich, bei allen Beteiligten einen ROI durch Vereinfachung, Standardisierung und Wiederverwendung zu erzielen. Wenn Unternehmen sich auf XRechnung / PEPPOL sowohl für B2B als auch B2G einlassen, werden sie sehen, wie viel einfacher und kostengünstiger elektronisch unterstützter Handel durch Interoperabilität sein kann.

An alle, die sich überlegen, elektronisch unterstützten Handel umzusetzen: Digitalisierung ist das Richtige, aber das richtig zu tun ist noch besser.

Klicken Sie hier, um mehr über die Interoperabilität zu erfahren und warum und wie man sich am besten auf PEPPOL vorbereitet. Weitere Infos auch auf meinem Blog.

Bild von Gerd Altmann auf Pixabay

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